Dass destilliertes Wasser oft als »tot« bezeichnet wird, liegt an seiner Freiheit von anorganischen und organischen Inhaltsstoffen. Viele Menschen betrachten diese gelösten Stoffe fälschlicherweise als unverzichtbar für ihren Mineralstoffhaushalt und glauben, dem Wasser sei seine Vitalität entzogen worden.
Historisch gesehen war der Mineralgehalt im Trinkwasser nur in Zeiten extremer Hungersnöte relevant, als jedes Milligramm gelöster Stoffe als überlebensnotwendige Krücke diente. Heute hat sich diese Situation grundlegend gewandelt, da wir unseren Bedarf an Vitalstoffen vollständig über feste Lebensmittel decken. Ein einziger Apfel oder eine Handvoll Nüsse liefert bereits mehr bioverfügbare Mineralien als zwanzig Liter herkömmliches Leitungswasser. Wer Wasser als primäre Nährstoffquelle missversteht, verkennt seine biophysikalische Hauptfunktion - Reinigung statt Sättigung.
Die folgende Tabelle untermauert diese wissenschaftliche Erkenntnis. Sie vergleicht den empfohlenen Tagesbedarf an essenziellen Mineralstoffen für einen Erwachsenen mit den durchschnittlichen Werten im Leitungswasser der DACH-Region. Die resultierende erforderliche Wassermenge beweist eindrucksvoll, wie gering der tatsächliche Beitrag von Wasser zur Nährstoffversorgung ist.
Die erstaunlichste Tabelle von allen
| Mineral | empfohlene Tagesdosis | Mittelwerte im Leitungswasser | erforderliche Wassermenge |
|---|---|---|---|
| Calcium (Ca) | 1.000 mg | 20 – 100 mg/L | 10 – 50 Liter |
| Magnesium (Mg) | 300 – 400 mg | 5 – 20 mg/L | 15 – 80 Liter |
| Natrium (Na) | 1.500 mg | 5 – 20 mg/L | 75 – 300 Liter |
| Chlorid (Cl) | 2.300 mg | 5 – 30 mg/L | 75 – 460 Liter |
| Kalium (K) | 2.000 – 4.000 mg | 1 – 5 mg/L | 400 – 2.000 Liter |
| Zink (Zn) | 7 – 10 mg | kaum nachweisbar | > 2.000 Liter |
| Eisen (Fe) | 10 – 15 mg | < 0,1 mg/L | > 100 Liter |
| Phosphor (P) | 700 mg | < 1 mg/L | > 700 Liter |
| Selen (Se) | 55 µg | kaum nachweisbar | > 2.000 Liter |
| Jod (I) | 150 µg | kaum nachweisbar | > 2.000 Liter |
DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), 2025
AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit), 2025
Ich kann mir vorstellen, dass diese Zahlen Sie erstaunen.
Mir erging es bei der Erstellung dieser Gegenüberstellung nicht anders. Die Ergebnisse verdeutlichen unmissverständlich, dass Trinkwasser in Mitteleuropa keine signifikante Quelle zur Deckung unseres täglichen Mineralstoffbedarfs darstellt. Da wir unsere essenziellen Mineralstoffe nahezu vollständig über die feste Nahrung aufnehmen, kann der Genuss von destilliertem Wasser keine nennenswerten Defizite verursachen.
Zu dieser Tatsache gesellt sich ein weiterer, entscheidender Aspekt der menschlichen Physiologie:
Die in Trinkwasser gelösten Mineralien liegen in einer Form vor, die für die Aufnahme im Körper nur suboptimal ist.
Bei den im Wasser gelösten Stoffen handelt es sich um sogenannte «anorganische» Mineralsalze. Man kann sich diese Form bildlich als mikroskopisch fein zerriebenes Gestein vorstellen. Unser Stoffwechsel ist jedoch primär darauf spezialisiert, essenzielle Mineralstoffe in «organisch» gebundener Form aufzunehmen, so wie sie in Pflanzen oder Fleisch vorkommen. Im Vergleich zu diesen biologisch aufbereiteten Verbindungen ist die Bioverfügbarkeit anorganischer Ionen aus dem Wasser verschwindend gering.
Diese Fakten rücken die konkrete Bestimmung unseres Trinkwassers in ein völlig neues Licht: Es dient nicht als relevanter Nährstofflieferant, sondern fungiert primär als unser universelles Lösungs- und Transportmittel.
