Das «Opus Magnum» war der heilige Gral der alchemistischen Kunst. Es bezeichnete nicht das blosse Endprodukt eines Läuterungsprozesses, sondern den vollendeten Zustand einer Substanz, die aus roher, unvollkommener Materie zur reinen Ursubstanz zurückgeführt worden war. Für Paracelsus und die Meister der Destillationskunst war dieses grosse Werk ein ganz konkretes Ziel, nämlich die Gewinnung des «Aqua Mercurii».
«Aqua Mercurii» war Paracelsus’ Bezeichnung für das mehrfach destillierte Wasser in seiner reinsten Form. Der Begriff «Mercurius» steht in der alchemistischen Tradition nicht für das giftige Schwermetall, sondern für das flüchtige, wandelbare Prinzip der Reinheit, jenen Geist der Materie, der sich durch Feuer vom Groben befreit und als reines Destillat wiedergeboren wird.
Was Paracelsus in seiner Sprache beschrieb, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht die konsequente Anwendung des Phasenwechsel-Prinzips. Die Begriffe haben sich verändert, die Physik dahinter ist dieselbe.
Die Stufen zur Materia Prima
Das Geheimnis der Mehrfachdestillation
Mit zwei Fingern zoomen
