Kapitel 3

Das Erbe der Alchemie, die Destillation

»Solve et Coagula«, trenne und verbinde.

Paracelsus war es, der sagte, »Solve et Coagula«, was bedeutet, trenne und verbinde. Dieser bekannte alchemistische Spruch findet in der Destillation seine vollendete physische Entsprechung. Es handelt sich um das einzige Verfahren, welches das Wasser radikal von seiner stofflichen Last trennt, um es danach im Zustand perfekter Reinheit neu zu verbinden. Das Geheimnis der Destillation liegt im molekularen Phasenwechsel.

Damit ist der Übergang vom flüssigen in den gasförmigen Zustand beim Erreichen des Siedepunkts bei 100 Grad gemeint. Im Moment des Verdampfens vollziehen die Wassermoleküle die radikalste Trennung von Schadstoffen. Jene Last, die im flüssigen Zustand noch so stark mit dem Wasser verbunden war, löst sich auf einen Schlag. Als reiner Dampf steigen die Wassermoleküle auf, kondensieren im Kühlsystem und werden schliesslich zu hochreinen Tropfen, die nacheinander in das Auffangglas fallen.

Alle Rückstände verbleiben als milchig-trübes Konzentrat im Verdampfungsgefäss. Die Meisterklasse einer Destillation von Wasser findet in der Glasdestillation statt. Eine Glasdestillation markiert die Königsklasse der Wasseraufbereitung. Eine Glasdestillation ist die vollendete Symbiose aus technischer Präzision und menschlicher Achtsamkeit. Ursprünglich als Instrument der Alchemie entwickelt, findet man dieses System üblicherweise in Laboren, wo es von geschultem Fachpersonal bedient wird.

Nicht jedermann ist dazu fähig, Wasser mittels einer Glasdestillation zu reinigen. Wer sich für diesen Weg der Wasserreinigung entscheidet, benötigt mehr als nur technisches Equipment. Ein angehender Destillateur benötigt Einarbeitungszeit und ein tiefes Verständnis für das Element. Der Einsatz einer Glasdestillation stellt hohe Anforderungen an den Charakter des Anwenders. Eine Glasdestillation ist nicht für jedermann. Ein Destillateur hat Geduld, Gewissenhaftigkeit und eine klare und bewusste Hinwendung zum Element Wasser.

Das mag elitär klingen, doch genau in diesem Anspruch an den Anwender offenbart sich die verborgene Ästhetik dieser segensreichsten Methode der Wasserreinigung. Der Destillateur ist der wichtigste Teil dieses höchsten aller Veredelungsprozesse des Wassers. Darüber hinaus ist die Glasdestillation der einzige Weg, den magisch faszinierenden Phasenwechsel des Wassers unmittelbar mit seinen Augen direkt und live zu verfolgen. Wasser mittels einer Glasdestillation zu veredeln, ist ein kontemplativer Vorgang, ein beinahe magisch anmutender Vorgang.

Faszinierend kann man beobachten, wie diese mächtigste aller Wasserreinigungen geschieht. Sachte beginnt das Wasser im Glaskolben zu sieden. Unsichtbar steigt der reine Dampf empor. Im gläsernen Kühler kondensiert das Wasser und wandelt sich wieder von dampfförmig in flüssig. Bis schliesslich Tropfen für Tropfen das gereinigte Wasser als hochreinste Essenz sich im Auffangglas sammelt. Was für ein Geschenk an die Menschheit! Wer die Kunst der Destillation mit Glas, die Kunst der höchsten Purifikation von Wasser erlernt, erlernt gleichzeitig auch die unübertreffbar edelste Form der Aufbereitung von Wasser, die Mehrfachdestillation.

Die Kunst der Mehrfachdestillation

Wenn herkömmliche Filter, auch die hochwertigsten, bei extrem hartnäckigen Stoffen an ihre Grenzen stossen, erlaubt die Mehrfachdestillation, also der wiederholte Phasenwechsel, eine schier endlose Steigerung der Reinheit von Wasser. Man kann sich eine Mehrfachdestillation vorstellen wie eine Serie von immer feiner werdenden Sieben, wobei jedes Sieb die winzigen Durchschlupfe des vorherigen Siebes erweitert. Wissenschaftlich betrachtet erhöht sich die Trennschärfe mit jedem einzelnen Durchgang auf exponentielle Weise.

Eine einfache Destillation hält bereits 99 Prozent aller Schadstoffe zurück. Es bleibt lediglich ein winziges Prozent als Rest im Wasser. Schickt man danach dieses bereits hochreine Wasser ein zweites Mal durch den molekularen Phasenwechsel der Destillation, greift die Reinigung erneut, ein weiteres Mal, mit derselben unbestechlichen Effizienz und reduziert dieses verbliebene Prozent wiederum um 99% seines Wertes. Dann, mit jedem weiteren Durchlauf, multipliziert sich dieser Reinigungseffekt somit mathematisch, wodurch die Konzentration der Fremdstoffe nicht nur sinkt, sondern förmlich in sich zusammenbricht.

Lediglich auf diese Weise der Mehrfachdestillation lassen sich selbst die widerstandsfähigsten Ewigkeitschemikalien Schicht für Schicht isolieren und im Verdampfer zurücklassen. Was am Ende dieses faszinierenden Prozesses im Auffangglas landet, ist ein Wasser von einer Brillanz und Reinheit, die absolut jenseits herkömmlicher Messskalen liegt. Diese Reinheit markiert den absoluten Goldstandard der Wasserveredelung. Reinstwasser. Absolut frei von allen Fremdstoffen. Was heute in modernen Laboren als technisches Höchstmass an Reinheit gilt, bildete jedoch schon vor Jahrhunderten das Fundament der Alchemie.

Die Meister der Alchemie verstanden unter der Mehrfachdestillation jedoch noch weit mehr als nur eine blosse, mechanisch intensivere Säuberung. Ihr Ziel war es, das Wasser durch die stetige Wiederholung der Reinigungsschritte maximal energetisch zu potenzieren und es auf eine völlig neue Qualitätsebene zu heben. So etwa sah Paracelsus, jener weltbekannte Arzt und Alchemist, in einer Mehrfachdestillation weit mehr als nur eine stoffliche Reinigung. Paracelsus sprach von einer neunfachen Destillation.

Paracelsus’ These nach verliert das Wasser bei einer neunfachen Destillation seine grobstoffliche Schwere und nimmt in seiner Aufnahmekapazität mit jedem Durchgang für heilende Signaturen stetig zu. Paracelsus sagte, der Geist des Wassers würde aus seiner materiellen Trägheit befreit und würde erst und nur so wahrhaft nutzbar gemacht. Die ersten drei Destillationen dienen der Reinigung des Körpers des Wassers. Die zweiten drei Reinigungen würden den Geist des Wassers befreien.

Die dritten drei Destillationen schliesslich legen die Seele des Wassers frei. Und nach allen neun Durchgängen sei das Wasser schliesslich in seiner inneren Kraft vollkommen erwacht. Und jetzt erst sei das Wasser von allen irdischen, geistigen und energetischen Schlacken gereinigt. Das Wasser ist nun zur Essenz der Essenz gewandelt, zur sagenhaften Materia Prima. Dazu müssen Sie wissen, dass diese Materia Prima für Paracelsus die Basis all seiner Arzneien und Elixiere bildete, wegen deren Heilwirkung er weit über die Grenzen seiner Zeit hinaus Weltruhm erlangte.

Paracelsus sagte, »Und alles musst du selbst tun«. Dieses Credo der Alchemie hat bis heute nichts von seiner Bedeutung verloren. Und am deutlichsten zeigt sich die Gültigkeit dieses alchemistischen Kredos bei der Suche nach einer Antwort auf die einfache Frage, wo man trinkbares, destilliertes Wasser eigentlich kaufen kann. Wer sich nämlich auf die Suche nach einer solchen Quelle begibt, wird schnell feststellen, dass dies ein fast aussichtsloses Unterfangen darstellt. Das vermeintlich destillierte Wasser aus dem Baumarkt oder von der Tankstelle hat ausser dem irreführenden Namen absolut nichts mit dem reinen Destillat zu tun, um das es in diesem Buch geht.

Viele hoffen bei ihrer Suche im Reformhaus, in der Apotheke oder im Biomarkt fündig zu werden. Doch die Realität ist ernüchternd, da es faktisch keine Anbieter gibt, die destilliertes Wasser offiziell als Lebensmittel anbieten. Dieser Umstand hat jedoch sehr nachvollziehbare Gründe. Da sich die hartnäckige Angst über die angebliche Gefährlichkeit von destilliertem Wasser noch immer in weiten Teilen der Bevölkerung hält, würde eine nennenswerte Nachfrage bereits im Keim ersticken. Zudem wären die Produktion und die Logistik für ein derart sensibles Produkt so aufwendig, dass der Verkaufspreis exorbitant hoch ausfallen müsste. Die einzige sichere Quelle für erstklassig destilliertes Wasser ist und bleibt die eigene Gewinnung.

Nach all diesen Vergleichen lassen wir die technischen Betrachtungen nun hinter uns und widmen uns dem eigentlichen Kern dieses Buches. Der Frage, was ist die perfekte Hydration für den Menschen? Wer aber offen ausspricht, destilliertes Wasser zu trinken, sieht sich meist mit tiefem Entsetzen und einem fast schon reflexartigen Unglauben konfrontiert. Warum solche Reaktionen erfolgen und welche tief verwurzelten Vorurteile sich hinter dieser Mauer an Ablehnung verbergen, ergründen wir im nächsten Kapitel.