Vitalisierung von Wasser

Zehn Kapitel lang ging es darum, was aus dem Wasser herauskommt. Diese Seite handelt von dem, was danach mit ihm geschieht.

Der Einwand, den Sie gerade denken

Das ganze Hörbuch führt auf ein Ziel zu. Das Wasser soll leer sein, frei von allem, was es unterwegs aufgenommen hat.

Und nun soll ihm etwas zurückgegeben werden.

Der Widerspruch ist berechtigt, und er löst sich in dem Augenblick auf, in dem man genau hinsieht, was zurückgegeben wird. Kein Stoff. Keine Mineralien, kein Zusatz, kein Pulver, nichts, was man in ein Glas schütten könnte.

Was zurückgegeben wird, ist Bewegung.

Zwei Fragen an dasselbe Glas

Vor Ihnen steht ein Glas destilliertes Wasser. Man kann zwei sehr verschiedene Fragen an dieses Glas stellen.

Die erste Frage lautet, was darin ist. Sie führt zu Messwerten, zu Leitfähigkeit, zu Rückständen. Die Destillation beantwortet sie so gründlich wie kein anderes Verfahren.

Die zweite Frage lautet, wie dieselben Moleküle zueinander stehen. Sie zielt nicht auf den Inhalt, sondern auf die Ordnung.

Zwei Bibliotheken können denselben Bestand haben. In der einen liegen die Bände auf dem Boden, in der anderen stehen sie in Reihen. Der Bestand ist derselbe. Der Unterschied ist trotzdem nicht klein.

Was der Dipol bedeutet

Aus Kapitel 1 kennen Sie den Satz, dass jedes Wassermolekül wie ein winziger Magnet wirkt. Es trägt eine positive und eine negative Seite, deshalb heisst es Dipol.

Dort stand diese Eigenschaft für die Lösungskraft, für jene Fähigkeit, fremde Stoffe zu umschliessen und aufzubrechen.

Sie hat eine zweite Folge, die seltener genannt wird. Wo lauter kleine Magnete beieinanderliegen, richten sie sich auch aneinander aus. Die positive Seite des einen sucht die negative des anderen.

Wasser ist deshalb nie ein blosser Haufen gleichgültiger Teilchen. Es ist ein Gefüge, das sich fortwährend ordnet und wieder löst.

Und ein Gefüge, das sich ordnet, lässt sich durch das beeinflussen, was mit ihm geschieht.

Die Natur macht es vor

Sehen Sie einem Gebirgsbach zu. Nichts an seinem Lauf ist gerade.

Er springt über Stufen, dreht sich um Steine, wirft Wirbel, die sich hinter jedem Hindernis von selbst bilden. In der Ebene legt sich der Fluss in Schlaufen, die Mäander heissen, und nimmt damit den längsten aller möglichen Wege.

Kein Wasser dieser Erde bewegt sich freiwillig geradeaus. Regen fällt in Tropfen, steigt als Nebel, sickert durch Gestein, tritt als Quelle wieder aus, dreht sich talwärts, verdunstet und beginnt von vorn.

Das Rohr ist die Ausnahme. Es ist die einzige Strecke im Wasserkreislauf, die der Mensch gebaut hat, gerade, dunkel und unter Druck.

Dasselbe Wasser, zwei Wege ins Tal. Der eine dauert Tage und dreht sich tausendmal. Der andere dauert Minuten und dreht sich kein einziges Mal.

Was die Destillation zurücklässt

In der Destille geht das Wasser durch den Phasenwechsel. Es wird zu Dampf, steigt, legt sich an die kühle Glaswand und fällt als Tropfen zurück ins Flüssige.

Dabei trennt es sich von allem. Von Kalk, von Chlor, von den Ewigkeitschemikalien, von jedem Stoff, den es je aufgenommen hat.

Es trennt sich auch von etwas, das in keiner Messung auftaucht. Von seiner Bewegungsgeschichte.

Was im Auffanggefäss ankommt, ist reiner als jedes Wasser, das die Natur bereithält, und zugleich stiller. Es hat keinen Bach hinter sich, keinen Wirbel, keinen Stein.

Das ist kein Mangel des Verfahrens. Es ist seine unvermeidliche Folge, und es ist der Anlass für alles, was auf dieser Seite noch kommt.

Was Vitalisierung meint

Vitalisierung heisst, dem stillen Wasser jene Bewegung zurückzugeben, die es auf einem natürlichen Weg erfahren hätte.

Nicht mehr, und nichts anderes.

Denken Sie an das Schulexperiment mit den Eisenspänen. Sie liegen ungeordnet auf einem Blatt Papier. Man führt einen Magneten darunter, und sie ordnen sich zu Bögen.

Nichts kam dazu. Nichts ging weg. Es sind dieselben Späne, in derselben Zahl, auf demselben Blatt. Nur ihre Ordnung ist eine andere.

Genau in diesem Sinn wird hier gearbeitet. Der Stoff bleibt unberührt, die Reinheit bleibt unberührt. Was sich ändert, ist die Ordnung.

Wie es geschieht

Der Vorgang verlangt kein Gerät. Er verlangt ein Gefäss, etwas Zeit und eine ruhige Hand.

Das Gefäss. Glas, unbedruckt, mit weiter Öffnung. Eine Karaffe genügt. Sie wird zu etwa drei Vierteln gefüllt, damit über dem Wasser Luft bleibt und Raum für die Bewegung.

Der Wirbel. Führen Sie einen Löffel oder einen Glasstab an der Gefässwand entlang im Kreis, bis sich in der Mitte ein Trichter bildet, der bis fast auf den Boden reicht. Halten Sie ihn eine halbe Minute. Dann halten Sie an, warten, bis das Wasser zur Ruhe kommt, und drehen in die andere Richtung.

Sieben bis neun Wechsel sind ein gutes Mass. Der Wechsel der Richtung ist der Kern des Ganzen, denn im Bach dreht sich das Wasser hinter jedem Stein anders herum.

Die Luft. Beim Wirbeln zieht der Trichter Luft bis in die Tiefe des Gefässes. Genau das tut der Bach an jeder Stufe. Deshalb wird offen gearbeitet, nie in einer verschlossenen Flasche.

Das Licht. Stellen Sie die Karaffe für eine bis zwei Stunden an ein helles Fenster, ohne pralle Mittagssonne. Tageslicht genügt.

Die Ruhe. Danach bleibt das Wasser stehen, kühl und dunkel, mindestens eine Stunde, gern über Nacht. Diese Ruhezeit gehört zum Vorgang wie das Wirbeln. Der Bergsee nach dem Wasserfall ist Teil desselben Weges.

Zwei Dinge sind zu meiden. Metall, das im Wasser bleibt, und der Kühlschrank, weil Kälte jede Bewegung ausbremst. Raumtemperatur ist richtig.

Der ganze Ablauf kostet zehn Minuten Aufmerksamkeit und danach etwas Geduld. Er lässt sich an jedem Küchentisch nachmachen.

Was sich zeigt und was offen bleibt

Sichtbar ist zuerst der Vorgang selbst. Der Trichter, der sich öffnet, die Luftfäden, die nach unten gezogen werden, die feinen Perlen, die kurz darauf an der Glaswand stehen.

Sichtbar ist auch, wie das Wasser zur Ruhe kommt. Es wird klar und still, und die Perlen lösen sich.

Was die Destillateure berichten, betrifft den Geschmack. Frisch destilliertes Wasser schmeckt flach, nach der Behandlung weicher und runder. Das ist Erfahrung aus vielen Jahren Praxis, gesammelt und weitergegeben, und sie wird hier als das benannt, was sie ist.

Offen bleibt das Messen. Für das, was im Wasser ist, gibt es Instrumente in jedem Labor. Für die Frage, wie dieselben Moleküle zueinander stehen, gibt es kein anerkanntes Messgerät.

Die Überlieferung ist älter als jedes Messgerät. Wer je aus einer Quelle getrunken hat, kennt den Unterschied, den keine Zahl belegt.

Zwei Sätze bleiben deshalb nebeneinander stehen. Die Reinheit ist messbar, die Ordnung ist es nicht. Beides zusammen ergibt das Wasser, um das es hier geht.

Der letzte Handgriff

Der Weg hat eine Reihenfolge. Erst nehmen, dann zurückgeben.

Zuerst muss das Wasser leer sein, denn nur im Phasenwechsel trennt es sich von seiner Vorgeschichte. Erst dann hat die Bewegung etwas, woran sie ansetzen kann.

Der Wirbel steht am Ende. Er ist der letzte Handgriff, und er ist der kleinste. Er verlangt eine Karaffe und zehn Minuten.

Der grosse Handgriff steht davor, und er verlangt eine Destille.

Wer diesen Weg zu Ende gehen will, findet das Glas und die Ausbildung dazu auf der Seite Die eigene Destille.